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Autoren

Cäsar Flaischlen, Vetter meiner Großmutter Anna Abt-Flaischlen, Autor von Hab Sonne im Herzen, ob's stürmt oder schneit...
Familie Flaischlen (Aus dem Familienalbum der Fam. Abt-Flaischlen)
Johanna, Hugo und Cäsar Flaischlen (Aus dem Familienalbum der Fam. Abt-Flaischlen)
Die Grabstätte auf dem Stuttgarter Pragfriedhof

Hab Sonne im Herzen, ob's stürmt oder schneit...

In Memoriam Cäsar Flaischlen (1864 – 1920)

Ein früher »Bestseller-Autor«: Wenn man heute junge Germanisten nach Cäsar Otto Hugo Flaischlen fragt, könnte man fast denken, sein Leben ist "spurlos über die Heide verweht". Kaum einer kennt noch seinen Namen. Hilft man etwas mit den ersten Zeilen von "Hab Sonne im Herzen ..." auf die Sprünge, gibt es dann doch noch einige, die sich an die Einträge im Poesiealbum ihrer Mütter erinnern:

Hab Sonne im Herzen,
ob's stürmt oder schneit,
ob der Himmel voll Wolken,
die Erde voll Streit!
Hab Sonne im Herzen,
dann komme, was mag!
das leuchtet voll Licht dir
den dunkelsten Tag!

Hab ein Lied auf den Lippen,
mit fröhlichem Klang
und macht auch des Alltags
Gedränge dich bang!
Hab ein Lied auf den Lippen,
dann komme, was mag!
das hilft dir verwinden
den einsamsten Tag!

Hab ein Wort auch für andre
in Sorg und in Pein
und sag, was dich selber
so frohgemut läßt sein:
Hab ein Lied auf den Lippen,
verlier nie den Mut,
hab Sonne im Herzen,
und alles wird gut!
Übersetzungen in andere Sprachen auf www.hab-sonne-im-herzen.de

"Und wenn auch nur ein Samenkorn aufgeht, so habe ich nicht umsonst gelebt" sagte der Dichter über sein Wirken. Sein ganzes Leben war ein Suchen nach einer Welt, wo er in Schönheit - in Harmonie leben könne. Es war kein Utopia, keine märchenhafte Insel der Seligen, mit wunschlos reinen Seelen, er wünschte nichts anderes, als diese ganz irdische, wirkliche Welt etwas weniger kleinlich, weniger neidvoll, weniger freudlos zu schaffen.
Der am 12. Mai 1864 in Stuttgart geborene Otto Hugo Cäsar Flaischlen ist der Sohn eines Offiziers. Von Stuttgart zieht Flaischlen mit Bruder und Schwester nach Ellwangen und besucht dort das Gymnasium. Nach seiner Schulzeit absolviert er eine Buchhändlerlehre bei der Stuttgarter Metzlerschen Buchhandlung. Dort widmet sich Flaischlen zwischen den vielen anderen Büchern nach Feierabend seinen ersten eigenen Gedichten. 1884 kommt sein erstes Werk "Nachtschatten" unter dem Pseudonym C. F. Stuart heraus. In Bern entscheidet sich Flaischlen für eine akademische Ausbildung. Es folgen die Studienjahre, er ist in Universitäten von Bern über Stuttgart nach Leipzig (hier unter dem bekannten Professor Zarncke) unterwegs. In Heidelberg sowie auch in Berlin beginnen die Burschenschaften mit ihren Studentenliedern auf den Literaten zu wirken. Im Dezember 1889 promoviert er in Zürich im Fach Germanistik über "0tto Heinrich von Gemmingen, dem deutschen Hausvater und dem bürgerlichen Schauspielwesen" mit der Auszeichnung "summa cum laude".
Kurz nach der Dissertation zieht es ihn nach Berlin. Flaischlen findet Einlaß in die Salons um den Friedrichshagener Dichterkreis. Hier lernt er Bölsche, Wille, Hart, die bedeutendste Köpfe dieses Kreises, kennen. Die Genossenschaft und Kunstzeitschrift PAN bittet ihn 1896, die Stelle als Leitender Redakteur anzunehmen. Mit der Zeitschrift PAN machen fast alle Künstler und Schriftstellern der Zeit Bekanntschaft. Große Name wie Max Klinger, Edward Munch, Max Liebermann, Theodor Fontane, Heinrich Mann u.v.a. finden sich im Inhaltsverzeichnis des PAN. Sütterlin schreibt in dieser Zeit über Flaischlen: "Durch seine Manuskripte für die Kunstzeitschrift "Pan", die stets zugleich Satzvorbilder waren, hat er an der künstlerischen Hebung neuzeitlicher Buchdruckkunst hervorragenden Anteil."
1897 entsteht in den Ferien auf der Insel Rügen der Gedichtband "Von Alltag und Sonne", der in späteren Jahren einen absoluten Boom in den Verkaufszahlen erlebt. 1899 muss die PAN-Genossenschaft wegen finanziellen und internen Schwierigkeiten das Erscheinen der Zeitschrift einstellen. Noch heute gilt die PAN als Meilenstein der Buch- und Kulturgeschichte.
Nach der Auflösung der Zeitschrift arbeitet Cäsar Flaischlen als freier Dozent und hält Lesungen aus seinen bis dahin veröffentlichten Werken. Sein Prosaroman "Jost Seyfried" (1905) sieht er dabei als Hauptwerk seines Schaffens. Die darauffolgenden Jahre verbringt Flaischlen mit einem neuen Projekt: einem Buch über deutschlandweit wirkende Schriftsteller. Es soll, so das ehrgeizige Projekt, wie die Bibel in jedem Haushalt stehen. Das Werk erscheint, ursprünglich 4bändig geplant, jedoch in nur zwei Bänden erst nach seinem Tode unter dem Titel "Das Buch unserer deutschen Dichtung".
Im Jahre 1910 heirat Cäsar Flaischlen seine Frau Edith und zieht mit ihr in eine geräumigeren Wohnung im gleichen Haus (Kurfürstenstrasse 51, Berlin) um. Es ist 1914, der Krieg beginnt; auch sein Bruder Major Hugo Flaischlen muss an die Front. Als viele seiner Freunde an der Front sterben, zerbricht für ihn seine kleine heile Welt. Aber, abgesehen von den schmerzvollen Verlusten und Bangnissen, die Cäsar mit fast allen Deutschen in diesen Jahren teilen muss, ändert sich seine äußere Lage ganz außerordentlich zum Guten. Er beginnt zu ernten, was er in Jugendtagen gesät ... seine Bücher werden sehr populär und gesucht ... die Auflagen überstürzen sich: von "Alltag und Sonne" erscheint bald die hundertste, wenige Monate darauf die hundertundfünfzigste Auflage, und ebenso wachsen die anderen Bücher ... es geht fast ins Unglaubliche - man muss annehmen, dass durchschnittlich jeder dritte Soldat irgendein Flaischlenbuch im Tornister mit sich trägt.

Zwei Jahre nach Kriegsende, im Sommer, ist er als Vortragsreisender unterwegs, das ganze Jahr über ist er aber von Krankheiten gepeinigt. Im September stellen sich starke Kopf- und Magenschmerzen ein. Er muss mit dem Automobil in das Sanatorium Schloss Hornegg gebracht werden. Doch es ist zu spät, der Eingriff im Brustraum bringt keine Heilung mehr. Am Morgen des 16. Oktober 1920 schläft der Dichter Cäsar Flaischlen für immer ein. Er wird auf dem Stuttgarter Pragfriedhof beerdigt.

Wer mehr über Cäsar Flaischlen erfahren möchte, sollte sich in Antiquariaten und auf Flohmärkten umsehen, wo noch der eine oder andere Band zu finden ist oder auf
www.hab-sonne-im-herzen.de